Artikel

Heiße Fragen. Eiskalt geklärt.

Trends und Infos rund ums Raumklima – direkt nachgefragt beim Fachverband Gebäude-Klima

Claus Händel vom Fachverband Gebäude-Klima (FGK) beantwortet Fragen zu technischen Trends rund ums Raumklima und gibt Tipps für die Kundenberatung.

Claus Händel vom Fachverband Gebäude-Klima (FGK) steht Rede und Antwort
Claus Händel ist Technischer Referent beim Fachverband Gebäude-Klima (FGK) und konnte in den letzten Jahren feststellen, "dass die Verbraucher auf die vielen heißen Sommer reagieren und die Investition in ein Klimagerät häufiger auf die Liste der längerfristigen Anschaffungen setzen."

Von Klimawandel bis Corona-Pandemie: Im Bereich Raumklimageräte ist in den letzten Jahren weit mehr als nur "heiße Luft" in Bewegung gekommen. Wir wollten von Claus Händel, Technischer Referent beim Fachverband Gebäude-Klima (FGK), wissen, welche technischen Trends sich aktuell abzeichnen und was es für SHK-Fachbetriebe bei der Kundenberatung zu beachten gilt.

Klimageräte hatten lange Zeit ein sehr schlechtes Image sowohl in Bezug auf ihre Energieeffizienz als auch, was die verwendeten Kältemittel betrifft. Was hat sich in dieser Hinsicht inzwischen geändert?
Claus Händel: "Raumklimageräte in Split- und Multi-Split-Ausführung sind in den letzten Jahren durch die verbesserten Regelkonzepte (Leistungsregelung mit Inverter ist heute Standard) und nicht zuletzt durch die Anforderungen des EU-Energielabels hocheffiziente Kälte- und auch Wärmeerzeugergeworden. Ich würde sogar sagen, dass die Wärmepumpenfunktion hervorragend dafür geeignet ist, effizient zu heizen und die fossile Heizung damit zumindest in der Übergangszeit abgeschaltet werden kann. Die verwendeten Kältemittel (meist R-32) unterliegen den Anforderungen der EU-F-Gase-Verordnung und haben nur noch 1/3 des GWP der Vergangenheit. Es muss aber auch immer wieder klargestellt werden: Klimageräte verlieren bei professioneller Installation und Wartung so gut wie kein Kältemittel (Leckagen unter 2 % pro Jahr). Es ist ein Arbeitsmittel, das in der Maschine bleibt und am Ende sogar für die erneute Verwendung aufbereitet werden kann."

Die Anschaffung eines Raumklimageräts ist natürlich immer auch eine Kostenfrage. Viele Verbraucher entscheiden sich zunächst als "Erste-Hilfe-Maßnahme" gegen Sommerhitze für ein mobiles Gerät aus dem Baumarkt. Kann dies auch eine Alternative sein oder steht hier nach wie vor die mangelnde Energieeffizienz in keinerlei Relation zum tatsächlichen Nutzen?
"Dazu ist erst einmal nichts Negatives zu sagen. Für viele ist es oftmals die einzige Option, da Split-Geräte immer, wenn auch meist nur geringe, bauliche Anforderungen bei der Montage mit sich bringen (Wanddurchbrüche, Aufstellorte, Kondensatablauf). Für Mieter ist daher ein mobiles Gerät oft die einzige Möglichkeit, wenn der Gebäudebesitzer nicht mitspielt. Es ist aber auch klar, dass sich diese Geräte nicht mit der Effizienz und dem Raumkomfort eines Split-Klimageräts messen können. Ich rate deshalb immer zu einem Split-Gerät, wenn es irgendwie möglich ist."

Welche Trends zeichnen sich anhand der Verkaufszahlen von Single-Split- und Multi-Split-Klimasystemen ab? Sind die Verbraucher angesichts extremer werdender Hitzeperioden bereit, auch in solche höherwertigen Systeme zu investieren?
"Leider können wir gar nicht so genau sagen, wer die Geräte kauft. Die Verkaufszahlen steigen (um 10 bis 15 % pro Jahr), aber leider agieren die Verbraucher in diesem Segment sehr kurzfristig, eigentlich immer erst, wenn es schon warm ist. Wird es erst spät im Sommer heiß, bekommt man vielleicht kein Gerät mehr geliefert und installiert. Dann wird der Kauf wieder aufgeschoben. Wir merken aber schon, dass die Verbraucher auf die vielen heißen Sommer reagieren und die Investition in ein Klimagerät häufiger auf die Liste der längerfristigen Anschaffungen setzen. Dort stehen dann meist Split- oder Multi-Split-Systeme, im eher gewerblichen Bereich auch VRF-Klimasysteme."

Fachkräftemangel, übervolle Auftragsbücher... Warum sollten SHK-Fachbetriebe gerade das Thema "Nachrüstung von Raumklimageräten" trotz alledem nicht anderen überlassen, sondern diesen Bereich künftig ausbauen bzw. erschließen? Wie kann dies am besten gelingen?
"Professionelle Information und Aufklärung beeinflussen die Kaufentscheidung in Richtung effizienterer und nachhaltigerer Geräte. Zudem ist, wie bereits gesagt, das Klimagerät auch eine effiziente Wärmepumpe. Ich wage sogar die Prognose, dass im Null-Energiehaus – das voraussichtlich in den nächsten Jahren im Neubau verpflichtend wird – das Multi-Split-Klimasystem in Verbindung mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ein sinnvolles Konzept für Heizen, Kühlen und Lüften über das ganze Jahr sein kann. Da die Entscheidung für ein Klimagerät für die meisten Verbraucher als spontaner Entschluss fällt, wenn es gerade heiß ist, haben die Kollegen vom Kälte-Klima-Fachbetrieb vielleicht so kurzfristig wenig Zeit, weil es bei der Kälte viel zu tun gibt."

Freitag, 20.01.2023

Mehr zu diesem Thema


Einloggen

Login / Benutzername ungültig oder nicht bestätigt

Passwort vergessen?

Registrieren

Sie haben noch kein Konto?
Dann registrieren Sie sich jetzt kostenfrei!
Jetzt registrieren

 

Expertenfragen

„Frag‘ doch einfach mal – einen Experten!": Nach diesem Motto können Sie als Nutzer der TGA contentbase hier ganz unkompliziert Fachleute aus der Gebäudetechnik-Branche sowie die Redaktion der Fachzeitschriften HeizungsJournal, SanitärJournal, KlimaJournal, Integrale Planung und @work zu Ihren Praxisproblemen befragen.

Sie wollen unseren Experten eine Frage stellen und sind schon Nutzer der TGA contentbase?
Dann loggen Sie sich hier einfach ein!

Einloggen
Sie haben noch kein Konto?
Dann registrieren Sie sich jetzt kostenfrei!
Registrieren